Ganz allgemein gesprochen ist ein Stoma eine „künstlich geschaffene Öffnung“. Diese Öffnung kann an vielen unterschiedlichen Stellen aus vielen unterschiedlichen Gründen angelegt werden. Einen Luftröhrenschnitt zur künstlichen Beatmung am Hals nennt man beispielsweise Tracheostoma. Zur Urinableitung dient ein Uro- oder Nephrostoma und zur Ableitung des Darminhaltes kann die Anlage eines Enterostomas erforderlich sein. Synonym finden sich in der Umgangssprache und der Presse auch die Begriffe: Ileostoma, Colostoma künstlicher Darmausgang, Anus praeter, Kunstafter, Bauchafter oder Seitenausgang.
Wann ist die Anlage eines Enterostomas erforderlich?
Bei an Eierstockskrebs erkrankten Patient*innen konnte in den letzten Jahrzehnten durch die Weiterentwicklung der unterschiedlichen Therapieverfahren, insbesondere durch Fortschritte der chirurgischen Techniken, die Notwendigkeit der Stomaanlage deutlich reduziert werden.
Ein vorübergehender künstlicher Darmausgang wird dann angelegt, wenn der Tumor sehr nah an den Schließapparat heranreicht und man die hier angelegte neue Darmverbindung für eine gewisse Zeit schonen möchte. In der Regel wird dieser vorübergehende künstliche Dünndarmausgang nach Abschluss der medikamentösen Therapie im Rahmen einer Operation mit kurzem stationären Krankenhausaufenthalt wieder zurückverlegt.
Da wir uns vor einer Eierstockkrebsoperation auf alle möglichen Eventualitäten einstellen müssen, werden die möglichen Stellen für eine Stomaanlage vor der Operation markiert. Das hat nicht zu bedeuten, dass in jedem Fall ein Stoma angelegt wird.
Welche Komplikationen können auftreten?
Als spezielle Stoma-Komplikationen sind unter Anderem der Rückzug des Stomas unter das Hautniveau (Retraktion), Vorfall des Stomas (Prolaps), Bauchbruch (Hernie) und die Stomablockade zu benennen. Hintergrund einer Stomablockade ist eine Stenose, die durch Verwachsungen im Bauchraum, durch Vernarbungen, durch festgesetzte schwer verdauliche Lebensmittel (Fasern) u. a. verursacht sein kann. Halten starke Bauchschmerzen und -krämpfe, evtl. verbunden mit Erbrechen, länger als 2 Stunden an, muss unmittelbar der Arzt oder eine ärztliche Ambulanz aufgesucht werden, da ein Darmverschluss drohen könnte.
Ein Stoma ist empfindlich, so dass es bei Berührung zu einer leichten Blutung kommen kann, was nicht besorgniserregend ist. Ernsthafte Blutungen benötigen demgegenüber eine ärztliche Untersuchung. Eine Schwarzfärbung des Stomas kann auf eine Minderdurchblutung hindeuten, die sofortiger Behandlung bedarf.
Nicht bedenklich ist es, wenn der Darm in der ersten Zeit nach der Operation noch unregelmäßig arbeitet. Die Ausscheidungen können anfangs auch flüssiger sein und es kann zunächst zu vermehrten Blähungen kommen.
Wie wird ein Stoma versorgt?
Stomapatienten können ihren Stuhlabgang nicht mehr kontrollieren. Spezielle Stomaversorgungen dienen daher der Aufnahme von Stuhl und Gasen. Eine Stomaversorgung besteht immer aus einer auf der Bauchdecke aufzuklebenden Basisplatte und einem daran befestigten Beutel, der der Aufnahme der Ausscheidungen dient und entleert bzw. gewechselt werden muss. Bei zweiteiligen Systemen kann die Basisplatte für einige Tage auf der Haut belassen werden, was Hautirritationen vorbeugt. Lediglich der Beutel, welcher auf der Platte befestigt wird, wird regelmäßig gewechselt. Moderne Stomasysteme sind mit einem Filter versehen, die Gasen den geruchsfreien Abgang aus dem Beutel ermöglichen. Stomaträger können mit oder ohne Versorgungssystem duschen oder baden.
Wie ernähre ich mich mit einem Stoma?
Gemieden werden sollten einzig stark rohfaserhaltige Lebensmittel wie Zitrusfrüchte, Spargel, Pilze, Ananas, Nüsse sowie harte Obstschalen und -kerne, weil sie das Stoma verstopfen und so zu einer „Stomablockade“ führen können. Träger eines Dünndarmstomas haben dünnflüssigere Ausscheidungen, da die Resorption von Flüssigkeiten ohne Dickdarm eingeschränkt ist. Der Flüssigkeitsverlust muss durch eine vermehrte Aufnahme von Getränken ausgeglichen werden. Eine mangelhafte Flüssigkeitsaufnahme bedingt ein erhöhtes Risiko für Nieren- und Gallensteine, sowie für ein prärenales Nierenversagen. Mit dem flüssigen Stuhl werden zudem die Mineralien Natrium und Kalium ausgeschwemmt, was bei der Ernährung berücksichtigt werden sollte. Unsere Ernährungsberater empfehlen unseren Patienten hierfür spezielle Diäten.
Ein nicht besorgniserregender Aspekt des Ileostomas ist die Tatsache, dass einige Speisen in ihrer Originalfarbe ausgeschieden werden. Wer Blutrot im Beutel sieht, sollte zunächst überlegen, ob er beispielsweise Rote Bete gegessen oder einen Energydrink in der Farbe zu sich genommen hat.
Kann ich mit einem Stoma normal leben?
Ein gut angelegtes Stoma schränkt das Leben kaum ein. Sport, Beruf und sexuelle Aktivitäten sind ganz normal möglich. Um einem Bruch vorzubeugen, sollten jedoch nicht wesentlich mehr als 10 kg gehoben werden. Sportarten mit Körperkontakt wie beispielsweise Kampfsport gefährden das Stoma. Im Fachhandel gibt es spezielle Bauchbinden, Schutzkappen und Schwimmgürtel, die das Stoma und die Stomaversorgung bei Sport oder im Beruf zusätzlich schützen können.
Was sind die Aufgaben der Stomatherapeutin?
Wir lassen Sie mit Ihrer Sorge um den künstlichen Darmausgang nicht alleine. Die Betreuung der Patientinnen und Patienten durch eine Stomatherapeutin nach der Operation ist ebenso wie das präoperative Anzeichnen einer optimalen Stomaposition im Sitzen, Liegen und Stehen wichtiger Bestandteil der Versorgung. Durch präoperatives Anzeichnen werden Fehlplatzierungen beispielsweise in Körperfalten vermieden, die zu einer schlechten Haftung der Stomaversorgung und nachfolgend verringerter Lebensqualität führen können.
Die Patient*innen und ihre Angehörigen lernen unter Anleitung der Stomatherapeutin nach der Operation die unterschiedlichen Materialien für die Stomaversorgung kennen und werden schrittweise an die Handhabung des künstlichen Darmausgangs herangeführt. Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus sind unsere Patient*innen in der Lage ihr Stoma selbständig zu versorgen.
Auch Zuhause ist die Stomatherapeutin für ihre Patientinnen und Patienten erreichbar und kann bei Problemen Hilfestellung geben. Für uns stellt sie ein wichtiges Bindeglied zwischen Patient*innen und Ärztinnen und Ärzten in der ambulanten Betreuung dar.